orthodoxe Ostkirchen 15. Juni
Patronat: der Augustiner, Theologen, Buchdrucker und Bierbrauer; für gute Augen
Augustinus, geboren am 13. November 354 in Tagaste in der römischen Provinz Numidien (heute Souk-Ahras in Nordostalgerien) als Sohn des Heiden Patrizius und der Christin Monika (Heilige), studierte an den geisteswissenschaftlichen Schulen in Karthago u. a. Rhetorik und wurde im Jahre 374 Lehrer dieses Fachs, zunächst in Tagaste, Karthago und Rom und ab 384 als Professor an der Hochschule in Mailand. Dort wandte er sich unter dem Einfluss von Bischof Ambrosius (Heiliger) wieder dem Christentum zu und ließ sich an Ostern 387 zusammen mit seinem unehelichen Sohn Adeodatus (starb 18-jährig 390) taufen, nachdem er sich zuvor vom Manichäismus losgesagt hatte. Die Krisen seiner Jugend und seinen inneren Werdegang schrieb er um 397 in seinen »Confessiones« (Bekenntnisse) nieder. Augustinus verzichtete auf alle Ämter und kehrte 388 – nach dem Tod der Mutter – nach Nordafrika zurück, wo er einige Jahre lang ein mönchisches Leben führte.
Während eines Aufenthalts in Hippo Regius (spanisch Bona, französisch Bône, heute Annaba in Nordostalgerien) überredete man ihn 391, sich zum Priester weihen zu lassen. 395 wurde Augustinus Mitbischof von Valerius und nur ein Jahr darauf dessen Nachfolger als Bischof von Hippo Regius, wo er mit seinen Priestern in klösterlicher Gemeinschaft lebte, deren Regel zum Vorbild für alle späteren Augustiner-Gemeinschaften wurde.
Als Bischof war Augustinus ein wahrer Hirte seiner Gläubigen und ein eifriger Prediger. Schon bald war er weit über die Grenzen seines Bistums hinaus bekannt, wurde zum geistigen Führer Nordafrikas und schließlich auch der abendländischen Kirche, vor allem im Kampf gegen die Irrlehren der Manichäer, Donatisten, Pelagianer und Arianer. Im Jahre 410 war Augustinus Zeuge der Eroberung und Plünderung Roms durch die Westgoten unter Alarich I., unter deren Eindruck er das 22-bändige geschichtsphilosophische Werk »De Civitate Dei« (Über den Gottesstaat), die letzte große Apologie des Christentums gegen das Heidentum, verfasste.
Augustinus’ zahlreiche Schriften – überliefert sind fast 1.000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe – befassen sich zentral mit der Geistigkeit der Seele des Menschen, die er als Abbild des dreieinigen Gottes in engster Beziehung mit diesem sah, z. B. als Gedächtnis, Verstand, Wille (»De trinitate« – »Über die Dreieinigkeit«, verfasst 399–419). Nach seiner heilsgeschichtlichen Vorstellung bestimmt Gottes Erlösungswille auch die Weltgeschichte, in der der weltliche »Teufelsstaat«, das Reich des Hochmuts und der Herrschsucht, mit dem »Gottesstaat«, dem himmlischen Reich der Demut, im Kampf liegt; dieser sei mit dem Erscheinen Christi in sein entscheidendes Stadium getreten und werde mit dem Sieg Gottes enden.
Augustinus starb während der Belagerung von Hippo Regius durch den Vandalenkönig Geiserich am 28. August 430. Seine Gebeine wurden Anfang des 6. Jahrhunderts nach Sardinien gebracht und von dort von Langobardenkönig Liutprand um 720 nach Pavia (südlich von Mailand) überführt und unter dem Hochaltar der Augustinerkirche San Pietro in Ciel d’Oro beigesetzt, wo sie sich noch heute befinden. Seit 1362 erhebt sich darüber die dreigeschossige Arca di Sant’Agostino, das prächtige Grabmal des Heiligen Augustinus aus weißem Marmor.
Augustinus’ theologisches Gedankengebäude erwies sich für die nächsten tausend Jahre als wichtigstes Fundament der christlichen Religion. Er gilt als der Vater und Schöpfer der theologischen und philosophischenWissenschaft des christlichen Abendlandes und trägt den Ehrentitel »Kirchenvater« – neben Ambrosius (Bischof von Mailand; 340–97; Heiliger), der ihn einst bekehrt und getauft hatte, Hieronymus (um 347–419; Heiliger) und Gregor I. dem Großen (Papst; 540–604; Heiliger).
Darstellung: als Bischof im Ornat, oft zusammen mit den anderen drei Kirchenvätern oder mit seiner Mutter Monika
Attribute: Mitra, Stab; Buch, Schreibpult und -feder (Gelehrsamkeit); flammendes oder von Pfeilen durchbohrtes Herz (Sinnbild feuriger Gottesliebe); Kind (das der Legende nach mit einerMuschel das Meer ausschöpfen wollte, um Augustinus die Unergründlichkeit der göttlichen Dreieinigkeit zu veranschaulichen)

Quelle: Herder-Verlag


