Gratulation zum jüdischen Neujahrsfest

07.09.2026 | Die vier christlichen Kirchen in Baden-Württemberg hoffen auf Frieden

Freiburg / Stuttgart / Rottenburg / Karlsruhe. Die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg gratulieren den beiden Israelitischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg und damit allen jüdischen Gemeinden herzlich zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Bischof Dr. Klaus Krämer und Erzbischof Stephan Burger hoffen, dass im neuen jüdischen Jahr Wege für Frieden und Freiheit gefunden werden. Gemeinsam werde man sich auch im neuen Jahr für ein respektvolles, friedliches Miteinander einsetzen, erklären sie in einem Schreiben an die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinden. 
 
Das Neujahrsfest beginnt in diesem Jahr am Vorabend des 12. September und wird bis zum 13. gefeiert – der Übergang ins neue jüdische Jahr 5787. Erinnert wird an die Schöpfung der Welt. „Möge dieses Fest die Hoffnung bringen, dass Menschlichkeit und Sorge für- und umeinander wieder unser Zusammenleben prägen, wo in den letzten Jahren immer mehr Misstrauen, Angst, egoistische Sorge und sogar Hass aufgetreten sind“, schreiben die Bischöfe und die Bischöfin in Ergänzung zu den herzlichen Glück- und Segenswünschen für das neue jüdische Jahr. 
 
Zurückliegend habe aufgrund des Kriegs mit dem Iran die Sorge um die Sicherheit von Familien und Freunden bei der jüdischen wie christlichen Bevölkerung Israels im Zentrum gestanden. Auch in Deutschland verbesserte sich die Situation der jüdischen Gemeinschaft zuletzt nicht, sondern verschlechterte sich noch, so die Bewertung der christlichen Kirchenvertreter. „Immerhin gab es im letzten Jahr viele kleine Momente der Freude und der relativen Normalität.“ Dazu gehörte die sehr gelungene Jewrovision in Stuttgart, Europas größter jüdischer Gesangs- und Tanzwettbewerb mit mehr als 1200 Jugendlichen aus ganz Deutschland. „Wir wünschen insbesondere den jungen Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg viel Rückenwind aus dieser Erfahrung und stehen zu unserem Wort, gerade die jungen jüdischen Menschen so gut wie möglich in ihrem Einsatz für ein normales Leben zu unterstützen.“ 
 

Grüße zum neuen jüdischen Jahr 5787         

Sehr geehrte, liebe Frau Professorin Traub, sehr geehrte, liebe Herren Suliman, Kashi und Rubinstein,
sehr geehrter, lieber Herr Landesrabbiner,
sehr geehrte, liebe Rabbiner und Kantoren,
sehr geehrte, liebe Vorsitzende in den jüdischen Gemeinden,
liebe Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg,
 
am Vorabend des 12. Septembers feiern Sie in diesem bürgerlichen Jahr den Übergang ins neue jüdische Jahr 5787. Persönlich und im Namen der Mitglieder aller vier Kirchen unseres Bundeslandes wünschen wir Ihnen allen Schana towa umetukah – ein gutes und süßes neues Jahr! 
 
Auch in diesem Jahr begleiten unsere guten Gedanken und Gebete Sie am Übergang zum neuen Jahr und während der zehn Tage der Umkehr bis zum Fest Jom Kippur: Leschana towa tikatewu– mögt Ihr eingeschrieben werden ins Buch des Lebens für ein gutes Jahr!
 
Das neue Jahr ist ein Schaltjahr und zeugt damit von der engen Verbindung, die unser religiöses Leben an unsere Umwelt hat. Im zurückliegenden Jahr ist dies leider allzu oft in aller Deutlichkeit zu Tage getreten: Während Pessach und Ostern damals zusammenfielen, war es der jüdischen wie christlichen Bevölkerung Israels aufgrund des Kriegs mit Iran nicht möglich, diese Feste der Freiheit auch in äußerlicher Freiheit zu feiern. Stattdessen stand die Sorge um die Sicherheit von Familien, von Freundinnen und Freunden im Zentrum.
 
Auch hier in Deutschland hat sich die Situation der jüdischen Gemeinschaft zum neuen Jahr nicht verbessert, sondern über die Jahre hinweg gesehen sogar noch verschlechtert. Immerhin gab es im letzten Jahr viele kleine Momente der Freude und der relativen Normalität. Dazu gehörte die sehr gelungene Jewrovision in Stuttgart, die nicht nur die Gastfreundschaft des Judentums in Württemberg hervorgehoben, sondern auch einen badischen Sieger hervorgebracht hatte. Wir wünschen insbesondere den jungen Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg viel Rückenwind aus dieser Erfahrung und stehen zu unserem Wort, gerade die jungen jüdischen Menschen so gut wie möglich in ihrem Einsatz für ein normales Leben zu unterstützen.
 
Am ersten Tag von Rosch ha Schana gibt es bei Ihnen den Brauch, in Anlehnung an Psalm 118 zu beten: „Aus der Bedrängnis rief ich Gott an. Gott antwortete mir und befreite mich. Der Ewige ist mit mir, ich werde mich nicht fürchten.“ Wir werden dann mit Ihnen in dieses Gebet einstimmen und um die Erlösung der Welt bitten, die der Ewige in sieben Tagen vollendet hat, während wir Menschen es seither immer wieder vollbringen, gegen die Gebote der göttlichen Schöpfung und Ordnung zu verstoßen. Wir wünschen Ihnen und uns allen, der ganzen Welt, dass „heraus aus Finsternis und dem Schatten des Todes“ alle Menschen aus Not und Finsternis, insbesondere den inneren Bedrängnissen, befreit werden – denn „Er zerbrach ihre Ketten“ (Ps 107). So möge dieses Fest die Hoffnung bringen, dass Menschlichkeit und Sorge für- und umeinander wieder unser Zusammenleben prägen, wo in den letzten Jahren immer mehr Misstrauen, Angst, egoistische Sorge und sogar Hass aufgetreten sind.
 
Mögen sich im neuen jüdischen Jahr Wege für Frieden und Freiheit finden, damit Einschüchterung und Rechtlosigkeit nicht die Oberhand behalten. Rein weltlich scheinen es aussichtlose Wünsche. Wir dürfen uns allerdings verbunden wissen in der Hoffnung auf die rettende Hand des Ewigen, der uns zu neuem Leben befreit. Möge Er, mit unserem Zutun, die Welt verbessern. Möge Er Ihnen und uns allen Freude in der menschlichen Gemeinschaft schenken! 
 
Gemeinsam werden wir uns auch im neuen Jahr für diese Gesellschaft und ein respektvolles, friedliches Miteinander einsetzen. Wir danken Ihnen für das gemeinsame Wirken und wünschen Ihnen allen ein hoffnungsfrohes Jahr 5787!
 
Erzbischof Stephan Burger
Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart
Bischof Dr. Klaus Krämer
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl
 
 
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Aneinander vorbei

Dieses Relief am Noah-Turm zeigt etwas ganz Typisches für unsere Zeit. Wahrscheinlich hat sich das schon Ende der 70er Jahre, als Emil Wachter dieses Relief entwarf, abgezeichnet. Zwei Menschen haben zwar engen Kontakt zueinander, doch sie schauen in entgegengesetzte Richtungen. Ihre beiden Köpfe sind auch noch um 180 Grad verdreht, so dass sie die Welt unterschiedlich wahrnehmen, die eine schaut nach unten, der andere nach oben. Schließlich sind ihre Augen nicht sichtbar, es scheint, als tragen sie Brillen. Sie können die Welt nicht wirklich wahrnehmen, es ist zu vermuten, dass es Sonnenbrillen sind. Es sind zwei Menschen, die zwar eng beisammen sind, aber doch so weit wie irgend möglich von einander getrennt. Sie können sich nicht unterhalten, es gibt nichts, das sie verbindet. Vielleicht sind es die Menschen, die nicht mehr auf Gott und aufeinander hören und sich nach dem Bericht aus dem Buch Genesis von Gott abgewandt haben: »5 Der HERR sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr ganzes Denken und Planen, war durch und durch böse.« (Genesis 6,5, Übersetzung Gute Nachricht) Für Gott war es Anlass, die Verhältnisse neu ordnen und einen Neuanfang zu setzen.